FAQ - häufig gestellte Fragen.... und ein paar Antworten

 

...weitere FAQ's wenn du welche stellst :-)


Wieso fliegt ein Flugzeug überhaupt ?

Die Tragflächen eines Segelflugzeuges erzeugen bei entsprechender Anströmung eine nach oben gerichtete Kraft
- den Auftrieb

Ein einfaches Denkmodell hilft dieses Phänomen zu verstehen: Man stelle sich vor die den Flügel anströmende Luft teilt sich an der Flügelnase in zwei Teilchen. Das obere Teilchen muß in der gleichen Zeit einen etwas längeren Weg als das untere Teilchen zurücklegen, an der Oberseite entsteht dadurch Sog, an der Unterseite Druck. Je stärker die Anströmung, desto stärker wird auch der Auftrieb an den Tragflächen. Daneben wird allerdings bei steigender Geschwindigkeit des Flugzeuges auch der Luftwiderstand größer.

Jedes Flugzeug hat also eine Mindestgeschwindigkeit (weil die Flächen erst dann genug Auftrieb erzeugen um das Flugzeug in der Luft zu halten), und eine Höchstgeschwindigkeit (danach würden die Tragflächen durch die starken Luftkräfte überbelastet). Dieser Geschwindigkeitsbereich liegt bei modernen Segelflugzeugen meist zwischen 65 und 230 km/h.

Flugleistungen:

 

  • Gleitzahl: "normale" Segelflugzeuge bewegen sich zwischen 1:25 bis 1:45, Hochleistungssegelflugzeuge der Spitzenklasse sogar bis 1:60. (Die Gleitzahl gibt an, wie weit ein Flugzeug in ruhiger, ungestörter Luft gleiten kann. z. B. 1:40 bedeuted also daß man aus 1 km Höhe theoretisch 40 km weit gleiten könnte.)
  • geringstes Sinken: etwa in der Größenordnung von 75 cm pro Sekunde. (In ruhiger Luft könnte man somit aus 1000 Meter Höhe etwas mehr als 20 Minuten segeln.)
  • Die Geschwindigkeit bei der das Flugzeug das geringste Sinken erreicht liegt etwas unter der Geschwindigkeit des besten Gleitens. Beispiel: Einsitziges, sehr gutmütiges Anfängerflugzeug wie z.B. Blanik L23: geringstes Sinken bei 80km/h, bestes Gleiten (ca. 1:28) bei 90km/h

 

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Wie kann ein Segelflugzeug stundenlang obenbleiben ?

Der Segelflieger versucht verschiedene Wettererscheinungen und die daraus resultierenden Effekte als Antriebsenergie für sich zu nutzen. Jede aufsteigende Luftmasse kann mit einem Segelflugzeug zum Höhengewinn genutzt werden wenn dieses Steigen stärker ist als das Eigensinken des Flugzeuges (siehe oben, ca. 75 cm pro Sekunde)

Die drei wichtigsten "Energiequellen":

  • Thermik: Bei starker Sonneneinstrahlung werden die Luftmassen über verschiedenen Bodentypen und Landschaftsmerkmalen unterschiedlich erwärmt. Diese unterschiedliche Erwärmung führt zum Aufsteigen warmer Luftmassen (warme Luft ist leichter als kalte Luft). Durch enges Kreisen in diesen "Warmluftschläuchen" kann der Segelflieger Höhe gewinnen. Steigwerte von 3 Meter pro Sekunde und mehr sind dabei keine Seltenheit. Diese aufsteigenden Luftmassen sind übrigens häufig als "Schönwetterwolken" bei strahlend blauem Himmel zu erkennen. Die in den aufsteigenden Luftmassen enthaltene Feuchtigkeit kondensiert aufgrund der Abkühlung und wird dadurch sichtbar - Segelflugzeuge kreisen daher oft unter Wolken !
  • Hangaufwind: Wird eine sich bewegende Luftmasse (Wind) durch feststehende Geländemerkmale (Berg) zum Aufstieg gezwungen, so kann die daraus resultierende Aufwindkomponente zum Steigen genutzt werden. Die Seite des Berges an der eine Aufwindkomponente zu finden ist wird als "Luv" bezeichnet, die windabgewandte Seite heißt "Lee". (Dort gibt es dann dementsprechende Abwinde !)
  • Welle: Bei hohen Windgeschwindigkeiten (etwa ab 40 km/h) können bei bestimmten Geländeformationen (Alpen!) wellenförmige Resonanzerscheinungen auftreten, die zu sehr starken Aufwindfeldern führen, in denen ein geübter Segelflieger in große Höhen aufsteigen kann. (etwa vergleichbar mit den Wellen und Verwirbelungen, die man in einem fließenden Gewässer hinter Steinen oder sonstigen Hindernissen findet). Bei solchen Wetterlagen sind oft linsenförmige flache Wolken in größeren Höhen zu sehen, die trotz der hohen Windgeschwindigkeiten immer an der gleichen Stelle bleiben, sie heißen übrigens auch "Wellenwolken" oder "Lenticularis". Der Segelflug-Höhenweltrekord liegt übrigens bei über 15km Höhe!!! (Steve Fosset USA, geflogen 2006 in den Anden, das ist höher als die meisten Linienmaschinen fliegen können, da oben braucht man Druckanzug und Sauerstoff um zu überleben.)

 

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Wie sieht so ein Cockpit aus ?

 

  • Fahrtmesser: Er zeigt die Geschwindigkeit des Flugzeuges im Verhältnis zur umgebenden Luftmasse an. Da der Fahrtmesser nur den Druck der anströmenden Luft ("Staudruck") messen kann kann er keine Auskunft über die Geschwindigkeit über Grund geben.

Vereinfacht gesagt bedeutet das also z. B.:
Das Flugzeug fliegt 100 km/h bei Windstille - Grundgeschwindigkeit ebenfalls 100 km/h
Das Flugzeug fliegt 100 km/h bei 30 km/h Gegenwind - Grundgeschwindigkeit also 70 km/h
Das Flugzeug fliegt 100 km/h mit 30 km/h Rückenwind - Grundgeschwindigkeit 130 km/h
Weiters gibt es noch einen Höhenfehler, durch den abnehmenden Luftdruck zeigt der Fahrtmesser mit zunehmender Höhe zu wenig an, das hat aber für den normalen Segelflieger nur eine sehr geringe Bedeutung.

 

  • Höhenmesser: Dieses Instrument zeigt die durch den momentanen Luftdruck ermittelte Höhe an. Es muß vor dem Start entweder auf Null oder auf die Höhe über Meeresniveau eingestellt werden. Der Höhenmesser kann auch während des Fluges durch Eingabe des aktuellen Luftdrucks (über Funk abfragbar !) korrekt eingestellt werden, bei längeren Flügen könnte sich ja inzwischen der Luftdruck deutlich verändert haben, der Höhenmesser würde dann falsche Werte liefern.

 

  • Variometer: Dieses für den Segelflieger ganz besonders wichtige Instrument zeigt das momentane Steigen oder Sinken des Flugzeuges an. Der Mensch hat dafür ja kein natürliches Organ, er kann lediglich Veränderungen der Vertikalbewegung durch Zu- oder Abnahme des Sitzdruckes spüren, fehlt ein naher Sichtbezugspunkt (z.B. Berggipfel) kann aber ohne ein solches Instrument nicht festgestellt werden ob man absolut gesehen steigt oder sinkt. Das Variometer reagiert auf kleinste Veränderungen des Luftdrucks.

 

  • Elektrisches Variometer: Gleiche Funktion wie das normale Variometer, jedoch höhere Genauigkeit und darüberhinaus noch die Möglichkeit dem Piloten die für die momentane Situation (steigende oder sinkende Luftmasse ?) günstigste Geschwindigkeit vorzuschlagen - dadurch kann die größtmögliche Streckenleistung erzielt werden.

Weiters ist meist auch noch ein sich mit Steigen oder Sinken verändernder Pfeifton zuschaltbar, der es dem Piloten ermöglicht seine Aufmerksamkeit mehr nach Außen zu richten - er muß also nicht dauernd auf die Anzeige starren. (Dafür benötigt dieses Ding natürlich auch Strom, der muß natürlich mittels Akku mitgeführt werden da der Strom beim Segelflugzeug ja nicht wie bei Auto oder Motorflugzeug ständig durch eine Lichtmaschine erzeugt wird.)

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Ist Segelfliegen ein riskanter Sport ?

Dieses Thema seriös und ausführlich zu behandeln ist schwierig und in diesem Rahmen leider nicht zu bewältigen. Auch bei Fragen nach Statistiken ist es äußert schwer präzise Schlüsse zu ziehen, was soll womit verglichen werden ? Die Zahl der Flugstunden oder Starts ? Die Zahl der geflogenen Kilometer ? Die Zahl der verunglückten Piloten ? Wie würde in einer Statistik riskanter Wettbewerbsflug mit "normalem" Segelfliegen in Relation gesetzt ?

Ganz wesentlich dabei ist aber die Tatsache, daß Segelfliegen eine Sportart ist, bei der das Risiko sehr genau durch das eigene Verhalten selbst bestimmt wird.

Unfälle durch technische Gebrechen, andere Personen oder sonstige unvorhersehbare Faktoren sind extrem selten !

(Im Vergleich dazu sind im Straßenverkehr - gerade in Österreich ein im europäischen Vergleich übrigens relativ hohes Risiko - mehr als 50 Prozent der Toten und Verletzten am Unfallhergang unschuldig, noch dazu in weiten Kreisen der Bevölkerung als unveränderbar akzeptiert)

Moderne Segelflugzeuge sind in ihrem Flugverhalten sehr sicher geworden, sie verzeihen so manchen groben Bedienungsfehler. Die in der Geschichte der Fliegerei so klassischen Unfälle wie Trudeln oder das Abkippen über eine Fläche durch Unterschreiten der Mindesgeschwindigkeit sind sehr selten geworden. Ein Großteil der Probleme entstehen durch die üblichen Gefahrenmomente menschlichen Handelns - grobe Selbstüberschätzung und Fliegen in schlechtem Wetter seien nur exemplarisch als häufige Unfallursachen genannt.

Was den Leistungsflug betrifft, so werden wie überall bei Wettbewerben und Rekordversuchen manchmal "Kompromisse" bei der Sicherheit eingegangen. Das zeitweise immer noch schlechte Image der Segelfliegerei wird manchmal auch durch dumme und unrichtige Berichterstattung in den Medien sowie durch die mündliche Tradierung von Schauergeschichten die, wenn man die Unfallakten vergeblich nach ihnen durchforstet, sich als reine Märchen entpuppen, fortgesetzt.

Eine Außenlandung in einem abgeerntetem Getreidefeld nach einem Streckenflug ist eben bloß eine Außenlandung und keine "Notlandung bei der der Pilot aber glücklicherweise unverletzt blieb" - auch wenn irgendein unkundiger Reporter gerne daraus eine Riesenstory macht und das dann auch dementsprechend spektakulär klingt.

Faktum ist aber auch, daß es notwendig ist den Flugsport immer ernst zu nehmen und sich sehr genau an die Spielregeln zu halten, das Cockpit eines Flugzeuges ist definitiv nicht der Richtige Ort für Helden oder solche die es noch werden wollen. Auch junge und aufstrebende Draufgänger die mit 22 schon das 4. Auto gegen einen Baum gestellt haben sollten sich besser andere Hobbies suchen.

Ohne Zweifel bleibt aber natürlich immer ein Restrisiko - es ist sicher gefährlicher zu fliegen als nicht zu fliegen - dennoch liegt der Risikofaktor bei entsprechendem Einsatz der eigenen Vernunft im Bereich anderer vernünftig betriebener Outdoor Sportarten.

 

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Ist man als Frau auch willkommen ?

Ja sicher!

Der Anteil an segelfliegenden Frauen ist zwar leicht im Ansteigen, aber leider immer noch sehr gering. (jedenfalls kleiner als 10 Prozent.) Die historische Last von traditionellem Rollenbild und Chancen-Ungleichheit wiegt auch in diesem Bereich noch sehr schwer.

Interessanterweise ist das Segelfliegervölkchen fluginteressierten Frauen aber ziemlich aufgeschlossen. Wohl haben Pilotinnen gelegentlich mit einem ähnlichen Maß an "männerzentrierten" Witzen und Anspielungen zu kämpfen wie in jeder anderen ungleich dominierten Gemeinschaft auch, doch ist eigentlich unter diesem harten Kern eine ganze Menge Unterstützung und Hilfestellung zu finden. Bedauernswerterweise ist aber ein Unterschied tatsächlich festzustellen: Frauen neigen beim Fliegen eher zu einem Mangel an Selbstvertrauen und brechen ihr neues Hobby häufiger ab als Männer - auch wenn sie besonders gut geeignet gewesen wären. Männliche Bewerber hingegen stürzen sich anfangs oft mit einem gewaltigen Schwung Selbstvertrauen - oft viel größer als ihr tatsächliches Können - in dieses Hobby. Manchen gelingt dann erst allmählich eine realistische Einschätzung ihrer Grenzen.

Egal ob Mann oder Frau, es gibt da wie dort Leute die umsichtig und verläßlich sind, und sich auch mit dem Erlernen der notwendigen fliegerischen Fertigkeiten leicht tun - und andere, die komplexe mechanischen Abläufe wie z.B. das Steuern eines Flugzeuges auch mit sehr viel Übung kaum hinreichend erlernen können, bzw. im Einzelfall möglicherweise auch aus anderen Gründen (etwa übertriebenem Ehrgeiz, sich oder anderen unbedingt etwas beweisen zu wollen usw.) nicht die notwendige Reife für so einen Sport besitzen.

Bei uns bist du jedenfalls herzlich willkommen - ganz egal ob Mann oder Frau :-)

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Wieviel Zeit steckt man in dieses Hobby ?

Zugegebenermaßen schon eine ganze Menge...vor allem in der Anfangsphase macht es Sinn an den Wochenenden einigermaßen regelmäßig am Flugplatz aufzutauchen damit sich die Anfängerphase nicht allzulange dahinzieht. Wenn man an einem Tag Segelfliegen möchte muß man üblicherweise in der Früh (also so etwa zwischen 09.00h und 10.00h) beim Ausräumen der Flugzeuge aus der Halle mithelfen und verbringt dann meist den ganzen Tag am Flugplatz. Das klingt vielleicht für Uneingeweihte zunächst schlimm, das ist es aber sicher nicht wirklich. Eigentlich ist es auf so einem Flugplatz immer recht gemütlich und es gibt immer irgendwas interessantes zu tun oder zu sehen, ein wenig gegenseitige Hilfestellung ist natürlich auch notwendig um den Flugbetrieb überhaupt aufrechtzuerhalten. Am späteren Nachmittag oder Abend wird dann gemeinsam der Hangar eingeräumt und der Flugtag wird dann, je nach persönlicher Präferenz sofort, oder nach einem anschließenden kulinarischen Genuß und Verkostung diverser Getränke beendet :-)

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